Liebe Freunde!
Hier ein kleiner Bericht meiner Mittelmeer-Fangfahrt 2004. Wie immer gemeinsam mit meinem Freund Christoph JUSTIN, Tierhändler und Biologe.
Termin: 7. bis 10. Juli 2004
Ziel: Insel CRES (Süden) und Insel LOSINJ
Beobachtungs- und Fanggebiete:
1. Lagunenartige Bucht mit Schlick- und Sandboden sowie Seegraswiesen im Süden von CRES
2. Felsküstenabschnitt an der Ostküste von CRES
3. Felsküstenabschnitt an der südlichen Ostküste von LOSINJ
Abfahrt war am 7. Juli 2004 um 5:30 Uhr in der Früh. Die Fahrt ging zügig vonstatten, das Wetter veränderte sich von kühl und regnerisch in Österreich in zunehmend sonnig und warm, je weiter wir gegen Süden kamen. Kurz nach Mittag setzten wir mit der Fähre von der Halbinsel Istrien auf die Insel CRES über. Eine weitere Stunde Fahrt brachte uns zu unserem Quartier, wo wir von Josip und Ivanka, die im kleinen Dorf PUNTA KRIZA eine Pension betreiben, herzlich begrüßt wurden. Lange hielten wir uns dort aber nicht auf. Nachdem wir unsere Sachen ausgepackt hatten und die Gastgeschenke überreicht hatten, zog es uns schon Richtung Meer, denn vier Tage sind nicht allzu viel und wir wollten keine Zeit verlieren.
Mittwoch und Donnerstag verwendeten wir ausschließlich zum Beobachten sowie zum Katalogisieren der gefundenen Arten. Erst am Freitag begannen wir, Tiere zu sammeln und sorgsam zwischenzuhältern. Hierzu verwenden wir gut verschließbare Eimer, in die wir zuvor eine große Anzahl kleiner Löcher gebohrt haben. In diese Eimer werden die Tiere unter Berücksichtigung ihres Verhaltens und ihrer Größe hineingegeben, die Eimer schließlich an einer geschützten Stelle eines Bootssteges im Wasser versenkt. Auf diese Weise sind die Tiere bis zum Zeitpunkt des Transportes von frischem Wasser umspült. Lebendgestein sowie festsitzende Tiere (Aktinien, Schwämme, Röhrenwürmer etc.) deponieren wir an einer vor allzu heftigem Wellengang geschützten Stelle im Freiwasser. Hierbei kann es allerdings schon einmal passieren, dass einer Anemone der neue Platz überhaupt nicht zusagt und sie von ihrem Stein abwandert. Tja, und wenn sie dann an einem Platz sitzt, von dem sie ohne Verletzungen nicht mehr ablösbar ist, hat sie gewonnen und bleibt in ihrer Heimat. Nächstes Mal werden wir also einige Eimer mehr mitnehmen, um auch Anemonen auf diese Weise zwischenzuhältern und so eine Flucht zu verhindern.
Das intensive Befassen mit Platz 1 (Bucht mit Schlick- und Sandgrund) nahm so viel Zeit in Anspruch, dass wir einige andere Plätze, die Lebensraum für viele aquaristisch interessante Tiere sind (verschiedene Arten Schlangensterne, Schildbauchfische Lepadogaster ssp., Zwergseespinnen Pisa ssp., Mittelmeer-Putzergarnelen Lysmata seticaudata etc.), notgedrungen auslassen mussten.
Grund dafür war ein Fisch, den ich vorher noch nie beobachten konnte: Pomatoschistus bathi (Baths Sandgrundel).
Pomatoschistus bathi
Mit Dank an Jürgen HERLER
Eine kleine, etwa 3 cm groß werdende Grundel, die am freien Sandgrund lebt. Laut Literatur lebt sie normalerweise in Gruppen und schwimmt auch im Freiwasser bis zu 50 cm über dem Boden, hier tat sie das nicht. Die Tiere huschten einzeln zwischen viel größeren Grundeln anderer Arten (Gobius bucchichi, Gobius cobitis) umher und waren auf Grund ihrer farblichen Anpassung an den Boden sehr schwer auszumachen. Das heißt, ich verbrachte viel Zeit regungslos im Wasser hängend, um schließlich drei Tiere zu fangen. Wobei das Fangen selbst nicht schwierig war, da diese Art anscheinend eine sehr geringe Fluchtdistanz hat und mühelos mit dem Handkescher erbeutbar ist. Aber es dauerte eben seine Zeit, die Tierchen erst einmal zu entdecken. Leider bedeutete es für die Grundeln kein Glück, ihren Lebensraum gegen mein Aquarium einzutauschen. Den Transport überstanden die Tiere ohne Komplikationen und kamen in guter Kondition in Österreich an. Im Aquarium erwiesen sie sich dann aber als sehr hinfällig und starben trotz bester Wasserwerte einen Tag später. Die Umstellung auf die Aquarienbedingungen scheint für diese Tiere sehr schwer zu sein. Dabei wäre diese Art auf Grund ihrer geringen Größe und ihres interessanten Verhaltens eine schöne Bereicherung gerade für kleine Becken. Möglicherweise brauchen sie aber kühleres Wasser, welches wir nur mittels eines Kühlagreggates hinbekommen könnten. Schade, aber ich werde diese Tiere nicht mehr importieren.
Im selben Lebensraum fanden wir Gobius cobitis, die Riesengrundel.
Gobius cobitis
Mit Dank an Jürgen HERLER
Adulte Tiere können wir immer wieder beim Schnorcheln an bewachsenen Felsküsten finden. Jetzt konnten wir Jungtiere am Rande der Seegraswiesen beobachten. Diese Fische zu fangen, ist normalerweise nicht einfach, da sie eine sehr große Fluchtdistanz haben und Menschen nicht nahe an sich heranlassen. Trotzdem gelang es Christoph, ein Tier, das anscheinend nicht vorsichtig genug war, zu fangen. Ausgewachsen kann diese Art 20 cm erreichen, das von uns erbeutete Tiere maß 8 cm, mittlerweile ist es auf 15 cm herangewachsen. Auch im Aquarium verhielt es sich, ganz im Gegensatz zu einer im gleichen Aquarium lebenden Gobius niger, extrem scheu und war anfangs auch durch die besten Futterbrocken nicht aus seinem Versteck hervorzulocken. Schließlich siegte der Hunger doch. Wie ein Pfeil schoss der Fisch aus seiner Höhle, um ein Futterstück zu ergattern, verhielt sich dabei aber wenig geschickt und verfehlte dadurch oft sein Ziel. Schon bald lernte die Riesengrundel, sich das Futter von der Pinzette zu holen, wodurch die Ernährung gesichert war. Aber auch heute noch, nach nahezu einem Jahr, hat sich die Scheu in keiner Weise gelegt, und man sieht sie nur, wenn sie hungrig an der Frontscheibe bettelt. Sobald sie genug gefressen hat, verschwindet sie wieder in ihrer Höhle und erscheint zwei Tage später zum Futterbetteln.
- Fortsetzung folgt -
Anmerkung: Dieser Aufsatz entstand in Anlehnung an den im Partnerforum Riffaquaristikforum.de im Jahr 2004 erschienenen Bericht "Kroatienexkursion".