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21

Donnerstag, 8. März 2018, 20:05

Moin Harold,

Dir sei leider widersprochen: Den Schwämmen ging es bestens und sie befanden sich noch nicht in Auflösung. Als besonders mörderisch stellte sich ein Schwamm aus der Gattung Haliclona heraus (ein Augengeweihschwamm). Wenn man einen solchen Schwamm auswringt, dann kommt da eine interessant riechend Brühe raus... Biologisch macht das auf jeden Fall Sinn, weil der Schwamm so Fressfeinde auf Distanz halten kann. Sonst könnten diese Schwämme auch nicht so hoch wachsen; Fische würden sie nämlich sonst einfach abgrasen...
Es ist zum Beispiel auch wenig bekannt, dass der Wittling oder auch Merlan, ein kleiner Dorschverwandter, sehr gerne Hydroidpolypen frisst, das so genannte Neptunsgrass. Das weiß ich, weil ich Mageninhalte dieser Art untersucht habe. Wären Schwämme nicht so giftig und geruchsstark, dann würden Merlane diese mit Sicherheit auch fressen!

LG, Sven!

PS: Und bitte nicht immer alles pauchalisieren; im Meer ist (fast) alles möglich. Nur bisher kennen wir leider nur einen winzigen Bruchteil der Zusammenhänge.
»Sven Gehrmann« hat folgende Dateien angehängt:

22

Donnerstag, 8. März 2018, 21:22

weil sie das Wasser regelrecht vergiften


Hi Sven,

das halte ich für eine sehr sportliche Aussage...
In der tropischen Meerwasseraquaristik habe ich noch nicht davon gelesen, das dieser oder jener gesunde Schwamm das Aquarienwasser toxisch macht.
Schwämme an sich sind zumeist nicht giftig, sondern die beherbergten Bakterienstämme.
Eventuellt war dein Schwamm durch den Ortswechsel hinein in dein Aquarium so gestresst oder angeschlagen,
das er gewissermaßen die chemische Kontrolle verlor und die pathogenen Keime "freie Bahn" hatten.
Oder andere, schwammeigene Stoffe, die im gesunden Zustand nie den Schwammkörper verlassen hätten...



bye =)
Edwin
Alles ist aus dem Wasser entsprungen! Alles wird durch Wasser erhalten!
(Der olle Goethe)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Edwin« (8. März 2018, 21:32)


23

Freitag, 9. März 2018, 07:14

Hallo Sven!

Edwin hat Dir ja schon geantwortet - dem möchte ich mich anschließen:
Anscheinend hast Du mich missverstanden. Denn natürlich gibt es giftige Schwämme, die ihr Gift unter anderem vermutlich gegen Fressfeinde haben.

Wogegen ich Dir widersprochen habe, war Folgendes: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Schwämme ihr Gift ins Wasser abgeben, denn das wäre biologisch vollkommen widersinnig. Wozu sollten sie Energie dafür aufwenden, Gift in die (nahezu) unendlichen Weiten des Ozeans ausströmen zu lassen? Das hätte ja überhaupt keinen Sinn.

Daher glaube ich auch nicht, dass gesunde Schwämme ein Aquarium vergiften können. Sterbende aber sehr wohl.

Noch eine kleine Anmerkung zu:

Zitat

dass der Wittling (...) sehr gerne Hydroidpolypen frisst, das so genannte Neptunsgrass

Abgesehen davon, dass ich nicht nachvollziehen kann, was dieser Umstand mit dem diskutierten Thema zu tun hat, versteht man unter der deutschsprachigen Bezeichnung "Neptungras" nicht Hydroidpolypen, sondern Seegras der Gattung Posidonia.
Ich schreibe das nicht, um obergescheit dazustehen, sondern um dieses Faktum für Mitlesende richtig darzustellen.
Wenn Du aber einen Nachweis für Deine Darstellung hast, bitte ich Dich darum.

Liebe Grüße

Harold
49 Jahre Vivaristik - und ich lerne immer noch dazu
Mitglied der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich
So ist's Recht

24

Freitag, 9. März 2018, 09:33

Moin,

nun, erstmal zum Neptunsgras: Es wird nicht nur von unseren Fischern so genannt. Sondern es werden manchmal auch eingefärbte Büschel davon im Souvenirhandel als solches verkauft. Das hat jetzt nichts mit der "gültigen" zoologischen Nomenklatur zu tun!
Dann zu den Schwammgiften: Es gibt natürlich ganz verschiedene Schwämme, von denen viele auch gerade in tropischen Aquarien ein gutes Leben haben. Sie emittieren in der Regel nichts, sondern filtrieren nur. Nun ist es allerdings so, dass tropische Meere nicht so planktonreich wie die Nordmeere sind. Dazu kommt noch, dass unsere Nordsee ein stark belastetes Gewässer ist, was diversen Umweltfaktoren geschuldet ist.
Deshalb nehmen unsere Schwämme mit ihrer Nahrung mit großer Sicherheit auch noch viele andere nette Substanzen auf, z.B. auch Dioxine und ähnliche. Ich vermute daher, dass meine Nordseeschwämme mit solchen und ähnlichen Giften belastet waren (was ich aber leider nicht mehr nachweisen kann). Insofern müssten wir also zwischen den körpereigenen Giften eines Schwammes und den aufgenommenen filtrierten Umweltgiften anthropogenen Ursprunges unterscheiden.
Ich vermute, dass letztere in meinem Aquarium freigesetzt wurden.
Ich würde Harold durchaus zustimmen wollen, dass es in der Natur keine Ressourcenverschwendung gibt. Aber ich denke, dass Schwämme Geruchsmoleküle emittieren, um Fressfeinde auf Distanz zu halten. Das wäre keine Verschwendung von Ressourcen!

LG, Sven!

25

Freitag, 9. März 2018, 10:01

Du meinst die als Seemoos bekannten und verkauften getrockneten Triebe der Hydroidpolypen Sertularia cupressina und Hydrallmannia falcata. Alles klar.

Und:
Deutschsprachige Bezeichnungen haben nichts mit der zoologischen Nomenklatur zu tun. Bezeichnungen der jeweiligen Landessprache sind vielfältig und lokal unterschiedlich. Daher sollte man, um sicher zu gehen, vom gleichen Organismus zu sprechen, tunlichst die wissenschaftlichen Namen verwenden.
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26

Freitag, 9. März 2018, 12:58

Moin Harold,

ja das wäre einfach nur super, wenn meine Fischer lateinische Namen kennen würden... Ich würde jedesmal hurra schreien, denn dann wüsste ich schon vorher, was sie mir anschleppen. Das würde mir hier vieles sehr erleichtern!

LG, Sven!

27

Freitag, 9. März 2018, 13:11

=)
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28

Samstag, 10. März 2018, 09:27

Moin,

erst jetzt fiel mir auf, dass der ursprüngliche Thread in dem Board Schädlingsbekämpfung geschrieben wurde. Also für mich sind Schwämme eigentlich eher Nützlinge, wenn denn eine solche Unterscheidung überhaupt zutrifft.
Habe gestern Abend mit einem befreundeten Meeresbiologen telefoniert und ihn am Rande wegen der Giftproblematik bei Schwämmen gefragt. Dabei kam heraus, dass Schwämme Dioxine mangels Fettgewebes nicht speichern können, aber es bleiben natürlich noch einige andere Substanzen übrig. Wie etwa Quecksilber, Cadmium etc. .
Außerdem können Schwämme pathogene Keime und Bakterien freisetzen...
Schwämme finde ich grundsätzlich sehr interessant, denn sie können buchstäblich uralt werden (das Alter eines Glasschwammes aus der Antarktis wurde auf mehr als 10.000 Jahre geschätzt), sie bieten eigene kleine Lebensräume für viele andere Tiere und sie können auch sehr nützlich sein.
Das wäre mal ein Projekt, so einen schwammiges Habitat nachzubauen. Hat hier schon mal jemand sowas versucht? Egal ob mit tropischen oder anderen Schwämmen/Lebensgemeinschaften? Kann hier jemand ein paar "schwammige" Aussagen dazu treffen? :O

LG, Sven!

29

Samstag, 10. März 2018, 11:24

Hallo Sven!

Zitat

erst jetzt fiel mir auf, dass der ursprüngliche Thread in dem Board Schädlingsbekämpfung geschrieben wurde. Also für mich sind Schwämme eigentlich eher Nützlinge, wenn denn eine solche Unterscheidung überhaupt zutrifft.

Danke für den Hinweis!

Ich habe das Thema in das Unterforum "Wirbellose" verschoben.

Liebe Grüße

Harold
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30

Mittwoch, 14. März 2018, 23:38

Hi,

da hat sich doch noch einiges getan seit meinem letzten login :D

Ok, dann also doch kein C. auris und genauere Identifizierung kaum möglich?
Ist auch nicht so tragisch, wie gesagt: er wächst so langsam vor sich hin, war nur die Sorge weil man immer wieder in diversen Büchern vom enormen Wachstumspotential vom c. auris liest (deswegen auch im Unterforum Schädlinge erstellt)
Salzige Grüße, Felix!

31

Donnerstag, 15. März 2018, 07:51

Hallo Felix,

entschuldige bitte, dass ich Dich jetzt ganz aus den Augen verloren habe.
Ich denke, dass Dein Schwamm zur Gattung Haliclona gehören könnte.

Liebe Grüße

Harold
49 Jahre Vivaristik - und ich lerne immer noch dazu
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32

Samstag, 17. März 2018, 16:58

Hi,

kein Problem, mir ging es vor allem darum abzuklären ob ich mir um invasives Wachstum Sorgen machen muss. Diese Sorge wurde mittlerweile unabhängig von der Bestimmung der Art zerstreut =)
Ich hab im Meerwasserlexikon sämtliche Schwämme durchgeschaut, auch die Haliclona.. Diese Gattung hat auf den verfügbaren Bildern doch recht große Poren/Ausströmöffnungen (ich hatte auch mal einen blauen Haliclona im Becken), bei meinem Schwamm sind diese nur bei sehr genauem hinschauen zu sehen, sind also deutlich kleiner...

Ich werde bei Gelegenheit versuchen noch andere Fotos einzustellen, muss aber vorher mal die Scheiben reinigen damit man etwas sieht :D
Salzige Grüße, Felix!

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