Sie sind nicht angemeldet.

1

Sonntag, 1. April 2018, 20:26

Die optimale Temperatur

Hallo zusammen,

Ich möchte hiermit eine Diskussion initiieren zu einem wie mir scheint wichtigen Grundsatzthema: Welche Temperatur ist die optimale für ein tropisches Riffbecken? Eher kühl (24°C), mitten drin (25°C) oder eher warm (26°C)? Ist das von Besatz zu Besatz, Becken zu Becken verschieden? Hängt es von nährstoffarmem oder nährstoffreichem Milieu ab? Fördern höhere Temperaturen den Algenwuchs oder sind sie eher besser, weil der Stoffumsatz steigt? Führen höhere Temperaturen zu einer alkalischen pH-Verschiebung, weil die CO2 Löslichkeit fällt?

Ich bin neugierig auf Eure Antworten!

Grüße Roland

2

Dienstag, 3. April 2018, 12:36

Hi Roland,

Wir fahren unsere Becken im Winter eher kühler (21 - 24 Grad) und im Sommer mit 27 - 28 Grad. Das liegt ausschließlich daran, dass wir nicht so viel Energie fürs Wärmen im Winter aufwenden wollen. Im Sommer ist es in unserem Altbau an den ganz heißen Tagen schon schwierig die 28 Grad nicht zu überschreiten. Bisher sind alle unsere Bewohner gut zurecht gekommen (in mehrere Aquas). Da es auch im Indopazifik im "Winter" etwas niederere Temperaturen gibt bin ich der Meinung, dass es für die Tiere auch sinnvoll ist, zwischen den Jahreszeiten zu unterscheiden (also nicht zb das ganze Jahr 25 Grad zu haben).

Das Algenwachstum verhält sich relativ gleich.
Cyanos kommen eher im Sommer bei höheren Temperaturen zum Vorschein (latent sind sie immer vorhanden, im Winter sieht man sie halt nicht oder fast nicht). Sind aber auch im Sommer kein großes Problem (dh halten sich sehr in Grenzen).

Die Fische fressen definitiv bei höheren Temperaturen mehr - offensichtich ist ihr Grundumsatz dann höher, da sie sich eigentlich (zumindest für uns nicht merkbar) nicht mehr bewegen.

Unterschiede in den einzelnen Becken (die zum Teil auch sehr unterschiedliche Nährstoffmilieus haben) habe ich dabei bisher nicht beobachtet. Allerdings sind auch alle Becken gut belüftet.
Einzige Ausnahme: für Tubastreas sind 28 Grad die obere Grenze, vor allem wenn sie auch Licht abbekommen. Das Becken für die zu fütternden LPS versuchen wir daher auf max. 27 Grad zu halten.

lg,
Sonja

3

Dienstag, 3. April 2018, 20:17

Hallo Roland!

22 bis 28°C
Servus
Reinhard

A-4300 St. Valentin
Süß-, Meerwasser und Schwimmteich

Meeresverein Austria

4

Dienstag, 3. April 2018, 21:10

Hallo zusammen,

Ich meine nicht den tolerierbaren Temperaturbereich sondern den optimalen...


Grüsse Roland

5

Mittwoch, 4. April 2018, 06:59

Hallo Roland!

24 Grad (sofern möglich, im Sommer ist es natürlich wärmer). Dabei gedeihen alle Tiere sehr gut und die maximale Aufnahmefähigkeit von Sauerstoff ist höher als in wärmerem Wasser. Aus diesem Grund halte ich die Salinität auch etwas geringer als normal.

Liebe Grüße

Harold
50 Jahre Vivaristik - und ich lerne immer noch dazu
Mitglied der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich
So ist's Recht

6

Mittwoch, 4. April 2018, 20:02

Ich meine nicht den tolerierbaren Temperaturbereich sondern den optimalen...


Hallo Roland!

Wir haben Tiere aus fast allen Weltmeeren in unseren Becken.
Keine Temp.ist für alle optimal.

Aus Tonga kommen ganz tolle SPS zu uns.
In den Buchten dort hat es über 32°C.
Mach das in Deinem Becken einmal nach.
Servus
Reinhard

A-4300 St. Valentin
Süß-, Meerwasser und Schwimmteich

Meeresverein Austria

7

Montag, 16. April 2018, 15:22

Hallo zusammen,

Mein Thread hat nun in 2 Wochen gerade mal 5 Reaktionen erhalten. Das überrascht mich ehrlich gesagt: Ich bin davon ausgegangen, dass die optimale Temperatur ein spannendes Thema ist; wir feilen ja auch sonst an allen möglichen Parametern um unsere Becken zu optimieren. Aber gerade die Temperatur lässt alle kalt? Ist die optimale Temperatur wirklich nicht so wichtig?

Grüße Roland

P.S.: In der meisten Meerwasserliteratur, die ich besitze, wird die optimale Temperatur mit 24-26°C angegeben, also ein ziemlich kleines Fenster. Und im Sommer bei 28°C wird es eng. Ich habe mal einige handelsübliche Thermometer – analog & digital - mit einem amtlich geeichten Referenzklasse-Präzisionsthermometer verglichen: Abweichungen von +- 1°C (in einigen Fällen sogar 1,5°C) waren eher die Regel als die Ausnahme! Keines der Thermometer hatte einen Fehler (Richtigkeit) von unter 0,5°C...

8

Montag, 16. April 2018, 15:47

Hallo Roland,

in der Praxis halte ich es ähnlich wie Sonja. Für optimal halte ich 26 bis 27°C, muss aber sagen, dass ich keine so großen Unterschiede zwischen Sommer und Winter sehe. Keine Ahnung, wer alle möglichen Parameter optimieren will, ich kümmere mich weder um pH, Redox noch andere Parameter allzu sehr. Ich halte 33 psu für die optimale Salinität, besser als 35 psu, zumindest wenn es nach den Korallen und unserem WLW Konduktometer geht.

In erster Linie sollte man auf seine Korallen achten. Da kaum jemand zuverlässig die "optimalen" Parameter (und erst die ganzen Wechselwirkungen!) korrekt benennen kann, ist das, was die Amis "chasing for numbers" (Jagd nach Zahlen) nennen, eine der Hauptursachen für Misserfolge und unnötigen Stress.

Grüße

Hans-Werner

9

Montag, 16. April 2018, 17:49

Hallo Roland,

Ich versuche auch die Temperatur zwischen 24 und 26 Grad zu halten, ab 25 Grad laufen die Ventilatoren an. Im Sommer kann es trotzdem durch die Kombination HQI und Außentemperatur bis zu 28 Grad warm werden, auch mit der Kühlung. Bei noch höheren Temperaturen zicken aber dann schon einige Korallen herum und teilweise ist auch eine leicht beschleunigte Atmung bei den Fischen zu bemerken. Ich kann aber dann bei Bedarf noch eine zweite Batterie Ventilatoren montieren.
Warum ca. 25 Grad? Keine Ahnung, irgendwann einmal gelesen und wahrscheinlich weil es alle so machen .... :D

Liebe Grüße
Christian

10

Dienstag, 17. April 2018, 12:58

Hallo Hans-Werner,

Ich kann Deinem Statement "chasing for numbers" Einiges abgewinnen und kenne das gut aus meinem beruflichen Umfeld. Und viele "numbers" sind natürlich auch immer ein Geschäftsmodell. Jetzt bin ich mit 2,5 Jahren Meerwassererfahrung im Gegensatz zu Dir ein Greenhorn; aber ich dachte eigentlich schon, daß sich einige "numbers" mit all den Wechselwirkungen rein empirisch etabliert haben.

Grüße

Roland

11

Dienstag, 17. April 2018, 15:03

Hallo Roland,

ich überlege .... KH hängt von Phosphat ab, ob höhere KH toleriert wird, NO3- macht die Korallen zwar erst mal brauner aber nicht gesünder, im Gegenteil, bringt sie näher ans Ausbleichen und Absterben. Mir fällt wenig ein, was definitiv etabliert wäre, Calcium und Magnesium vielleicht ...?

Gruß

Hans-Werner

12

Dienstag, 17. April 2018, 15:37

Zitat

NO3- macht die Korallen zwar erst mal brauner

Ich denke, Hans-Werner, dass Du statt "brauner" eher "bunter" meinst =)

Liebe Grüße

Harold
50 Jahre Vivaristik - und ich lerne immer noch dazu
Mitglied der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich
So ist's Recht

13

Dienstag, 17. April 2018, 17:14

Hallo Harold,

nach wissenschaftlichen Untersuchungen sollen sie brauner werden. Hast Du eigene Erfahrungen, dass sie mit Nitrat bunter werden? Meine unwissenschaftlichen Erfahrungen gehen dahin, dass Phosphat eher die Fluoreszenzfarben steigert und Nitrat oder allgemeiner Stickstoffverbindungen die Korallen eher dunkler und brauner machen. Unter gleichzeitigem Phosphatmangel und Nitratzufuhr bleichen sie aus und sterben ab. Das haben meine eigenen Erfahrungen vor rund 20 Jahren gezeigt und das zeigen auch mehrere neuere wissenschaftliche Untersuchungen. Ich habe die schlechten Erfahrungen mit Nitratdosierung selbst nicht wiederholt.

Gruß

Hans-Werner

14

Mittwoch, 18. April 2018, 07:47

Hallo Hans-Werner!

Tut mir Leid, das war ein Missverständnis =) . Denn ich habe in Deinem Beitrag

Zitat

NO3-

den Strich ("-") als Minus gedeutet und dachte, Du meinst "Nitrat nicht nachweisbar".

Dass SPS bei zu hohem Nitrat braun werden, kenne ich natürlich auch.

Liebe Grüße

Harold
50 Jahre Vivaristik - und ich lerne immer noch dazu
Mitglied der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich
So ist's Recht

15

Mittwoch, 18. April 2018, 10:55

Hallo Harald,

alles klar, kein Problem. :) Das Minus ist die Ionenladung, müsste eigentlich hochgestellt sein. Chemiker bestehen immer auf diese Ionenladung. :)

Gruß

Hans-Werner

16

Mittwoch, 18. April 2018, 14:27

Chemiker bestehen immer auf diese Ionenladung.

Hallo Hans-Werner,

Richtig! Warum? Ein Beispiel:

NO2- ist das Nitrít-Anion, gibt es z.B. im Natriumnitrit; NO2 ist Stickstoffdioxid, ein elektrisch neutrales Gas, das nicht aus dem Auspuff kommen sollte; NO2+ ist das Nitronium-Kation, kommt z.B. in Nitroniumtetrafluoroborat vor. Dreimal die gleiche Summenformel, aber völlig verschiedene Eigenschaften.

Grüße

Roland

(P.S.: Für die i-Tüpfelreiter unter Euch: Ja, NO2 hat ein elektrisches Dipolmoment, aber nach außen ist es elektrisch neutral.)

17

Mittwoch, 18. April 2018, 20:49

Danke Roland!

War mir tatsächlich noch nicht Bewusstsein das NO2 so vielfältig ist.

Für Hans-Werner wird es aber weniger Überraschend gewesen sein. :D
Servus
Reinhard

A-4300 St. Valentin
Süß-, Meerwasser und Schwimmteich

Meeresverein Austria

18

Donnerstag, 19. April 2018, 17:04

Hallo Reinhard,

so ein gutes Beispiel wie Roland hätte ich nicht parat gehabt, bin oft genauso "schlampig" wie Otto-Normalriffaquarianer.

Gruß

Hans-Werner

Thema bewerten